Hochbelastbare Industriefußböden aus Stahlfaserbeton
Industriefußböden sind die am stärksten beanspruchten Bauteile innerhalb einer »Gesamtkonstruktion«. Lagerhallen, Produktionsstätten und anbindende Freiflächen sind in der Regel stark befahren und unterschiedlichen Einflüssen ausgesetzt. Durch eine umfassende Planung und den Einsatz eines entsprechend konfektionierten Stahlfaserbetons,kann der Industriefußboden zu einem wartungsfreien und dauerhaften Bauteil werden. Ein Artikel von Willhelm Nell, ArcelorMittal Wire Solutions.
Die Anforderungen an Industriefußböden sind in den letzten Jahren immer größer geworden. Zum einen werden Belastungen und Lastwechsel immer größer, z. B. Zentrallager mit hoher Be- und Endladefrequenz, und zum anderen werden immer mehr Schäden alter Konstruktionen sichtbar. Betreiber und Bauherren neuer, moderner Hallen unterschiedlicher Nutzung erwarten aufgrund dieser Erkenntnisse innovative und vor allem dauerhafte Konstruktionen. Der Stahlfaserbeton gewinnt dabei, mit seinen besonderen Eigenschaften, immer mehr an Bedeutung. In Deutschland werden ca. 30–40 % aller Industriefußböden aus Stahlfaserbeton erstellt. Besonders fugenlose Systeme, wie TAB-Floor™ der ArcelorMittal, ermöglichen große Flächen, hohe Ebenheiten, wartungsfreie Nutzung und hohe Belastbarkeit. |
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Lasten |
Block- und Flächenlasten: |
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Schwinden: |
![]() Planung |
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Fugen: |
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Von einer händischen Zugabe oder einer Zugabe von größeren Einzelmengen (> 25 kg pro Kübel) über einen Kübelaufzug ist abzuraten. Hier kommt es je nach Fasertyp zur so genannten Igelbildung (Zusammenballung von Fasern) und eine homogene Untermischung ist nicht mehr gewährleistet. Der Beton steift durch die Zugabe der Fasern zurück. Zur Einstellung der Konsistenz wird ein Fließmittel auf der Baustelle in den Fahrmischer dazugegeben. Auch hier muss wieder die Mischzeit von = 1 min pro m3 Beton eingehalten werden. |

Praxisbeispiel:
Ein Industriefußboden, der mit einem Coiltransporter mit einer Radlast von 220 kN befahren wird, muss höchsten Belastungen standhalten. Die Spannungen aus den Radlasten und der Verschleiß sind dabei extrem hoch. Im folgenden Beispiel wird deutlich, dass ein Betonboden mit hoher Qualität, Tragfähigkeit und Dauerhaftigkeit hergestellt werden kann, wenn eine umfassende Planungsleistung vorliegt und betontechnologische Möglichkeitenoptimiert werden. Im November 2005 wurde bei den Stahlwerken Bremen im Kaltwalzwerk ein neuer Industriefußboden, im Bereich eines Coillagers, eingebaut; der alte war aufgrund der hohen Belastungen sehr stark beschädigt. Mit der Planung wurden das Ingenieurbüro Hoßfeld & Martens in Bremen und die ArcelorMittal Bissen S.A. beauftragt.
Zur Ausführung gekommen ist ein fugenloser Industriefußboden nach TAB-Floor™. Die unterschiedlich großen, fugenlosen Felder werden dauernd mit einem automatischen Coiltransporter (FTF Flur-Transport-Förderer) befahren. In der Bemessung wurden dafür eine Radlast von 220 kN (2 × 11 t pro Rad) und ein Kontaktdruck von 6 N/mm² berücksichtigt. Der Beton C30/37 XC4 XF1 XA1 F4 war ein werksgemischter Readymix-Stahlfaserbeton mit 40 kg der ArcelorMittal HE 1/50 Stahldrahtfaser. Als Gesteinskörnung wurde ein Kernbankgestein 22 mm eingesetzt.
Der Industriefußboden wurde in Dicken zwischen 30 cm und 32 cm eingebaut und ohne Hartstoffschicht oberflächenfertig hergestellt. Die Betonzusammensetzung wurde gemeinsam von Betontechnologen der Readymix und der ArcelorMittal entwickelt. Während der gesamten Baumaßnahme fand eine Überwachung durch einen Betontechnologen statt. Die Flächen sind mit einer hohen Ebenheit hergestellt worden und komplett rissfrei. – Bei permanenter Nutzung sind bis heute keinerlei Verschleißerscheinungen zu erkennen.
Zusammenfassung
Die Anforderungen an einen Industriefußboden sind in den letzten Jahren immer größer geworden. Im Speziellen steht die Dauerhaftigkeit immer mehr im Vordergrund. Um hochbelastete Industriefußböden zu planen und herzustellen, hat es sich in der Praxis bewährt, Stahlfaserbeton als dauerhaften Baustoff einzusetzen. Mit der Planung des Betonbodens als fugenloses System nach TAB-Floor™ werden zusätzlich noch ungünstige Lastfälle wie Plattenrand und Plattenecke vermieden und es sind keine wartungsintensiven Scheinfugen vorhanden.
Die Planungsleistung eines solchen Systems umfasst mehr als eine einfache Bemessung der Tragfähigkeit. Dazu bedarf es verschiedener Systemlösungen und umfassender Konzepte, die individuell auf alle Anforderungen und Einwirkungen eines Industriefußbodens eingehen. Für eine korrekte Ausführung bzw. Herstellung des Bodens sind Lastenhefte, Betonieranweisungen, Protokolle usw. erforderlich. Auch eine ingenieurtechnische Unterstützung vor Ort ist bei Detaillösungen oft wichtig. Die Planungsleistung, von der statischen Bemessung der Tragfähigkeit bis hin zur Nachbehandlung, und der Einsatz des innovativen Baustoffes Stahlfaserbeton gewährleisten eine hohe Dauerhaftigkeit bei hochbelasteten Industriefußböden.
Autor: Dipl.- Ing. Wilhelm Nell (VDB)
Senior Sales Manager Steel Fibres CEE
ArcelorMittal Wire Solutions Steel Fibres Profit Center
Literaturnachweis









