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PROJEKTDATEN

  • Stuttgart
  • Deutschland
  • Architekt :
    Delugan Meissl Associated Architects
  • 2005-2008
  • Bauherren :
    Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG
  • Ingenieurbüro :
    Leonhardt, Andrä und Partner Beratende Ingenieure Tragwerk
  • Fotograf :
    Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG
  • WWW

TECHNISCHE DETAILS

Porsche Museum Stuttgart


Ein monolithischer Baukörper, der über der Erde zu schweben scheint und auf nur 3 Stahlbetonkerne gestützt ist: eine dreidimensionale Stahlfachwerkskonstruktion ermöglichte die Realisierung der geometrischen Anforderungen an den Entwurf des neuen Porsche Museums in Stuttgart-Zuffenhausen. Für das Tragwerk wurden unter anderem hochfeste Stähle Histar® von ArcelorMittal eingesetzt.

Entwurfsprinzip
Die zentrale Entwurfsidee bestand darin, die vielseitige und lebendige Marke in eine architektonische Sprache zu übersetzen. Das Museum weist jene spezifischen Bedingungen auf, die dem Besucher die Marke Porsche räumlich und sinnlich vermittelt: Dynamik und Geschwindigkeit, Statik und Stillstand werden sowohl an der Konfiguration des Gebäudes als auch an der räumlichen Vermittlung erfahrbar.

Baukörper
Das Porsche Museum ist als dynamisch geformter, monolithischer Baukörper  konzipiert, scheinbar losgelöst über der gefalteten Topographie des Eingangsniveaus. Seine spiegelnde Untersicht nimmt die darunter liegenden Architekturlandschaft auf und potenziert atmosphärisch den Zwischenraum von Basis und Ausstellungsbereich. Auf anschauliche Weise unterstreicht diese architektonische Geste jene Dualität von Erfahrung und Erfahrbarkeit, die dem baulichen Konzept zugrunde liegt.

Konstruktion
Die größte Herausforderung bestand in der Entwicklung der Tragwerkskonstruktion, um den geometrischen Anforderungen des Wettbewerbsentwurfs zu entsprechen und die gewünschte räumliche Wirkung umzusetzen. Ein dreidimensionales Stahlfachwerk in Verbund mit Ortbetondecken bildet die tragende Struktur des schwebenden Baukörpers. Die Raumfachwerkkonstruktion des Museums ist auf den 3 Kernen mit insgesamt 5 vertikalen wie schrägen „Stützenästen“ gelagert.

Die Einleitung der hohen horizontalen wie vertikalen Auflagerkräfte in die Kerne aus Stahl- und Spannbeton ist über Last verteilende Stahleinbauteile und hochfesten Betongüten in den tragenden Kernen möglich. Die tragenden Gebäudekerne bestehen aus  Stahl- und Spannbeton in Verbund mit selbstverdichtendem hochfestem Beton. Mit einer Länge von ca. 160 Metern und einer durchschnittlichen Breite von 70 Metern erreicht der schwebende Oberbau ein Gesamtgewicht von 35 000 Tonnen. Die gesamte Last stützt sich auf drei Pylonen. 60 Meter beträgt die durchschnittliche Spannweite zwischen den tragenden Kernen, an deren Eckpunkten jeweils etwa 34 000 MN Last einwirken. Die statische und dimensionale Ausformulierung dieses hochkomplexen Trägersystems im Sinne der geometrischen Vorgaben und die Übertragung der Gebäudekräfte in die tragenden Kerne erforderten Ingenieursleistung von höchster Präzision und stellten entscheidende Momente während der Planungs- und Bauphase dar.

Als weitere Herausforderung galt die permanente Abstimmung des technisch-ästhetischen Zusammenspiels von Tragwerk und Gebäudetechnik zu den gestalterischen Zielen und Vorgaben. In Anlehnung an statische Prinzipien aus dem Brückenbau gelang es, maximale Spannweiten und Auskragungen zu bewältigen. Die Umsetzbarkeit des Entwurfes wurde einzig unter Einsatz von Stahl als primäres Konstruktionsmaterial ermöglicht. Dimension und Gestalt des beachtlichen Raumvolumens im Ausstellungsbereich konnten in Entsprechung auf das Planungskonzept vollkommen stützenfrei ausformuliert  werden. Optimale Adaptierbarkeit von Primärkonstruktion, Fassadenanschlüssen und Haustechnik zeichneten die Stahlbauweise während der gesamten Entstehungsphase des Museums als optimale Wahl aus.

Zugangsbereich

Die Reise in die Welt von Porsche nimmt unterhalb des losgelösten Elements ihren Anfang. Über eine sanft abfallende Rampe werden die Besucher in das Gebäudeinnere geleitet. Die Verjüngung des Vorplatzes und die abnehmende Raumhöhe in Richtung Eingang bilden Teil jener Dramaturgie, die Besucher, Nutzer des Museums durchgehend begleiten. Das Foyer weitet sich – flankiert von Restaurant und Museumsshop – in Richtung Empfang, Kaffeebar und Klassik-Werkstatt aus. Die „Erfahrung Porsche“ findet im Classic-Workshop, im einsehbaren Archivbereich, der galerieartig das zweigeschossige Raumvolumen der Basis umgibt, ihre Entsprechung: jenen Bereichen, in denen aktiv und sichtbar am Produkt gearbeitet wird. Der einzige Einritt in den eigentlichen Ausstellungsbereich erfolgt über einen prägnanten, zentral gelegenen Treppenstrang. Die Geometrie des Aufstiegs bildet Teil der architektonischen Inszenierung: erneut verengt sich die Wegeführung, ehe diese sich bei Eintritt in den Ausstellungsbereich in einen Raumkörper von beeindruckender Dimension transformiert.

Ausstellungsbereich
Der Ausstellungsbereich erschließt sich ihren Besuchern als sinnlich emotionale Kontaktaufnahme zur Automobilwelt, die sich in einem einzigen Kraftfeld. Zonen der Ruhe, der Beschleunigung im Wechselspiel von Enge und Weite steigern die spürbare Spannkraft dieser Raumerfahrung. Ein Galeriebereich am Ende der Ausstellungsabfolge entwickelte sich aus der Verbindung des architektonischen mit dem Ausstellungskonzept von HG Merz. Die resultierende Entflechtung von Zugangs- und Austrittsbereich verleiht der Gesamtinszenierung zusätzliche Spannung. Fließender Raumbezüge in visueller und funktionaler Hinsicht prägten die Entwurfsmethodik, welche die Architekten während der gesamten Entstehungsphase des Museumsbaus verfolgten.

Materialien
Die Fassade und Verkleidungen wurden unter Berücksichtigung der errechneten Verformungen der Primärkonstruktion im Innen- wie auch im Außenbereich konzipiert. Aufgrund dieser Anforderungen ergab sich auch die kleinteilige Fugenausbildung, die zwar Bewegungen aufnehmen kann, aber aus der Distanz dennoch als homogene Fläche erscheint. Weiß beschichtete Metallelemente ummanteln den Korpus des Museumsbaus, dessen Untersicht mit hochpoliertem Edelstahl verkleidet ist.

Das reflektierende Material überträgt die Spiegelung der Glasfront optisch wie atmosphärisch in die großzügige Öffnung des Eingangsbereichs und akzentuiert die Anziehungskraft der Erschließungszone. Eine monochrome Farbgebung kennzeichnet die äußere Erscheinung des Bauwerks, die sich bis in den Ausstellungsbereich fortsetzt. Entscheidungskriterium für die einheitliche Farbgebung war unter anderem die Tatsache, dass etwa 80 Automodelle im Museum präsentiert werden sollten. In Anbetracht ihrer Unterschiedlichkeit in Form und Farbe war das Schaffen eines monochromen Raumes eine klare Notwendigkeit.

Nachhaltigkeit
Neben sozialen und städtebaulichen Aspekten der Nachhaltigkeit erfolgte die Planung des Porsche  Museums unter der Berücksichtigung eines höchsteffizienten Materialeinsatzes. Durch die klare materialbezogene Differenzierung einzelner konstruktiver Elemente an Verbindungsknoten ist das Gebäude nahezu gänzlich „zerlegbar“. Bis zu 98% des verbauten Stahls wären in ihrer präsenten Form wiederverwertbar.

Text: Delugan Meissl Associated Architects

Technische Daten
Massen Beton  21.000,0 m³
Massen Aushub 66.000,0 m³
Massen Bewehrungsstahl/ Basement 4.000,0 t
Massen Stahl/ Flieger 6.000,0 t
Stahleinbauteil Kern 2 160,0 t
Auftretende Kräfte an Eckpunkten der Kerne ca. 34.000 MN
Kubatur/ Flächen 
Fläche gesamt 28.000,0 m²
Fläche Museum, Classic Center, Gastronomie, Archive und Konferenz 13.650,0 m²
Beton-Fertigteilplatten 10.000,0 m²
Spannweiten Stahlbau zwischen den Kernen 60,0 m
Oberfläche Flieger, Außenfassade 5.000,0 m²
Untersicht Flieger 6.600,0 m²
Bohrpfähle 115
Bohrpfahllänge gesamt 1.840 m
Perimeterdämmung 2.000,0 m²
Schalung Wände 13.000,0 m²
Schalung Stützen 1.470,0 m²
Schalung Deckenplatten 20.000,0 m²
Gebäudeausmaße:
Länge ca. 160 m
Breite  ca. 70 m
Höhe   ca. 28 m

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