Contact
Fax +49 201 36166 296
Subscribe to our newsletter
Free Design Software
rfq rfq

PROJEKTDATEN

  • Paris
  • Frankreich
  • Architekten:
    Patrick Berger & Jacques Anziutti; Julien Abinal Assistenz Entwurf, Boris Bastianelli (Assistenz Realisierung)
  • April 2009
  • Bauherr
    Stadtverwaltung Paris - Direction de la Jeunesse et des Sports
  • Ingenieurbüro
    Coyne & Bellier: Tragwerkk 
    Energietechnik: Sophie Brindel Beth
  • Bauunternehmen:
    Stahlbau: Dutheil 
    Schwimmbecken: Hinke HSB
  • Fotografen:
    Berger & Anziutti,
    Duccio Malagamba

TECHNISCHE DETAILS

Sportzentrum Alfred Nakache


Mit dem Sportzentrum Alfred Nakache hat die Stadt Paris ein Pilotprojekt für die Umweltzertifizierung bei Sporteinrichtungen gestartet. Die beiden Hauptziele des Projekts waren optimale Einfügung in den dicht bebauten urbanen Kontext und Schaffung einer angenehmen Atmosphäre im Inneren. Ein Stahltragwerk und Schwimmbecken aus Edelstahl – die ersten dieser Art in Paris –spielen dabei eine wichtige Rolle.

Das Sportzentrum, ein architektonisch und städtebaulich hochqualitatives Gebäude, wurde im April 2009 mit großen Erwartungen eingeweiht. Eine Einrichtung dieser Art fehlte lange in dem dichtbesiedelten und relativ jungen Belleville und zählt mit einem Einzugsgebiet von den 4 umligenden Bezirken.

Eine lokale Einrichtung
Das Zentrum, dessen Entwurf auf Weiterführung der von den Nachbargebäuden vorgegebenen Linien beruht, beinhaltet 3 Schwimmbecken (ein Sportbecken mit 25 m Länge, ein Ausbildungsbecken und ein Kinderbecken) und 4  Hallen mit je 150m2.

Besonders wichtig war den Architekten eine klare Aufteilung im Gebäude um die Verkehrswege für die Benutzer logisch zu gestalten.

Mit der Form eines Parallelepipeds passt sich das Gebäude an die Tiefe des Grundstücks an, ein Viertel der Gesamtfläche ist dem Garten gewidmet, der vom Schwimmbereich aus zugänglich ist.

In der Draufsicht besteht das Gebäude längsseitig aus 2 Teilen, mit einem im Süden anschließenden 3. Teil, der den Garten darstellt. Der 1. Teil beherbergt Umkleidekabinen, Duschen und Sauna, der 2. Teil die Bereiche der eigentlichen Sportaktivitäten.

Einzig und allein das Kinderbecken sprengt dieses klare, lineare Aufteilung: in Form eines geschwundenen Pabellons ragt es auf Gartenebene aus dem Gebäude heraus.

Die beiden Hauptteile sind durch eine Eingangshalle und horizontale und vertikale Verbindungswege miteinander verbunden.

Im Schnitt gesehen, beherbergt die untere Ebene den “Wasserbereich”, mit den 3 Schwimmbecken, die durch die Eingangshalle von der Straße aus sichtbar sind. Laut Architekt war es das Ziel, Wasser und Stadt ineinander übergehen zu lassen und das Gefühl zu vermitteln, man schwimme in der Stadt.

In der darüberliegenden Ebene befinden sich für Tanz- und Fitnessräume. Um sich von den Nachbargebäuden abzugrenzen ist keiner dieser Bereiche direkt nach außen verbunden. Dennoch sind sie auf indirekte Weise natürlich beleuchtet: das Licht fällt entlang der Fassade zum Garten hin durch den Gang ein.

In der 3 und obersten Ebene befindet sich ein Raum für Kampfsportarten, der sich auf eine Terrasse hin öffnet.

Die Umkleideräume befinden sich im Kellergeschoss unter dem Schwimmbereich, der Schwimmbereich und die Eingangshalle verfügen über doppelte Raumhöhe. In den darübergelegenen Ebenenliegen die Umkleidebereiche und Duschen neben den Räumen. Treppen und Aufzüge ernöglichen den Zugang in alle Bereiche.

Von außen verleiht die Fassade aus gelben Glasfaserelementen dem Gebäude seine Einzigartikeit, diese werden auch im Inneren weitergeführt. Sie verleihen der Fassade einen Rhythmus, der die natürliche Belüftung des Gebäudeinneren verbildlicht und gleichzeitig eine gewisse räumliche Tiefe schafft, die auf die sportlichen Aktivitäten im Inneren hinweist ohne sie direkt sichtbar zu machen.

Architektonisches Konzept und konstruktive Logik
Die funktionalen Organisation im Entwurf des Projekts geht mit konstruktiver Logik Hand in Hand. Besonders notwendig war dies aufgrund der engen Straßen und Gassen des Stadtteils Belleville, die den Baumaschinen und -material den Zugang erheblich erschwerten. Diese räumlichen Gegebenheiten für den Bau wurden von Anfang an in das Konzept miteinbezogen.

Durch die Anordnung der Schwimmbecken im Zentrum des Baugrundstücks konnten die Hauptlasten der Einrichtung so weit wie möglich von den benachbarten Gebäuden entfernt angelegt werden. 

Die Wahl von Edelstahl für die Schwimmbecken und Stahl für das Tragwerk trugen zu einer Reduktion der Lasten bei, letzteres vereinfachte auch die Bauphase und ermöglichte Lichtweiten bis zu 18,6 m. Der Bereich, der später der Garten sein sollte, diente als Lager für Baumaterialien und –maschinen.

Das Gesamtkonzept des Tragwerks basiert auf 2 verschiedenen Prinzipien:

- Die beiden Kellerebenen, das Erdgeschoss und die Decken über der Schwimmhalle sind aus Beton
- Die oberen Ebenen kombinieren Stahlträger und -stützen mit Verbunddecken

Die Lasten werden über Stahl- und Betonstützen abgelietet, die bis zu 30 m in den Boden reichen.

In der Deckenkonstruktion des zweiten Geschosses werden die Lasten zwischen der Beton- und der Stahlkonstruktion aufgeteilt. Die dicke Verbunddecke hat nicht nur eine statische Funktion, sondern trägt auch zur thermischen Isolierung der darunterliegenden Nasszone bei.

Die 30 cm dicken Betonbodenplatten sind mithilfe von Schrauben mit den HEA 650 Profilen verbunden. Diese Profile, die am unteren Flansch mit 6 cm dicken Metallplatten  verstärkt sind, sind auf ein Fachwerk von 2,24 m in der Südfassade des Gartens gestützt und ermöglichen somit eine lichte Weite von 18,6 m in der Schwimm- und Eingangshalle.

Dem gleichen Fachwerksprinzip folgend bestehen auch die Deckenträger im dritten Geschoss aus HEB 600 und HEB 400 Profilen und tragen die 20 cm Betonplatten. Das oberste Geschoss besteht aus einer leichteren Konstruktion aus HEB 300 Profilen und trägt das Stahlblech auf dem das Grünach aufliegt.

Das komplette Tragwerk ist geschraubt und schleudergestrahlt, an den sichtbaren Stellen ist es mit Brandschutzfarbe gestrichen.

Die Schwimmbecken aus Edelstahl
Mit den 3 Edelstahlbecken ist die Schwimmhalle ist der innovativste Bereich dieses Gebäudes. Auch wenn die Installation von Edelstahlschwimmbecken in Deutschland und Österreich schon über 40 Jahre Praxis haben, ist es die erste dieser Art in Paris. Sie überzeugt durch verschiedene Vorteile im Hinblick auf die aktuellen umweltbehördlichen Bestimmungen, Wasserkontrolle und Hygienebestimmungen, aber gerade für die Alfred Nakache Sporthalle mit ihren speziellen Rahmenbedingungenn war auch die Gewichtsreduktion von großem Vorteil.

Die Schwimmbecken sind weniger tief im Boden versenkt, auf diese Weise wurden Erdarbeiten und Fundament verringert. Die Wasserverteilung sowie die Instandhaltung findet im Inneren der Becke statt. Die vorgefertigten Edelstahlbleche wurden vor Ort zusammengesetzt, verschweißt und garantieren eine vollkommene Versiegelung.

Edelstahl ein sehr hygienisches Material, da es die Vermehrung von Bakterien beträchlicht einschränkt. Die Instandhaltung und Reinigung wird erleichtert und in Kombination mit einer Behandlung von Ozonwasser kann der Einsatz von aggressiven Reinigungsmittel auf ein Minimum reduziert werden.

Durch den geringen Einsatz von Chlor tragen Wasser und Luftqualität zum Wohlbefinden bei da keine unangenehmen Gerüche produziert werden.

Gewählt wurder das System auch aus architektonischen Gründen, da es erlaubt, das Wasser auf dem Bodenniveau weiterzuführen. Von der Straße wird der Eindruck vermittelt, dass alle Linien hinauslaufen und “in der Stadt geschwommen wird”.

Nachhaltige Konstruktion

Um das Zertifikat HQE (Haute Qualité Environmentale = Hohe Umwelqualität) zu erhalten, wurde besonderes Augenmerk auf die folgenden Punkte  gelegt :

- Integration des Gebäudes in seine städtische Umgebung
- Einsatz eines Tragwerks, das die Lastabtragung auf den Boden reduziert
- Einsatz von hochqualitativen, nachhaltigen Materialien mit niedrigen Umweltauswirkungen
- Garantie von höchster Wasser- und Luftqualität und bester Hygienebedingungen durch die Wahl der Edelstahlbecken
- Optimisierung des Energiekonsums durch qualitativ hochwertige Isolierung, Energierückgewinnungssysteme zur Erwärmung der neuen Luft und Solarzellen am Dach zur Erwärmung des Wassers
- Heizungsystem mit Wasserdampf, in warmer Jahreszeit Kühlung in der Nacht durch induzierte Ventilation
- Eine abgehänge Decke in der Schwimmhalle garantiert akustischen Komfort
- Reduktion der Instandhaltung aufgrund der Wahl des Materials für Fassade, Kompatibilitätsstudie für Materialauswahl, Edelstahlbecken, etc
- In Bauphase: Lärmreduktion auf der Baustelle dank hohem Vorfertigungsgrad der Bauelemente, Wiederverwertung des Baumülls.

Text: Eve Jouannais (adaptiert)

Powered by aware