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PROJEKTDATEN


  • Lausanne
    Schweiz
  • Architekt:
    SANAA - Kzuyo Sejima + Ryue Nishizawa
  • 2007-2009, Eröffnung: Juli 2010
  • Bauherr:
    EPFL - Ecole Polytechnique Fédérale de Lausanne
  • Ingenieursbüro:
    B+G Bollinger und Grohmann GmbH
  • Bauunternehmen:
    Losinger Construction AG
  • Fotograf:
    © EPFL | Alain Herzog

TECHNISCHE DETAILS


  Produktkatalog: Verbunddeckenprofile

Rolex Learning Center


Das innovative Rolex Learning Center, von SANAA als intimer öffentlicher Raum entworfen, zeichnet sich durch seine Form und Innenhöfe aus. Die ArcelorMittal Trapezbleche mit geringer Profilhöhe und Steifigkeit  in der Dachkonstruktion passen sich an die geschwungene Form an.

Angesiedelt im Zentrum des Campus der Ecole Polytechnique Fédérale de Lausanne (EPFL), ist das Rolex Learning Center in erster Linie eine Bibliothek, ein Raum geistiger Arbeit und ein internationaler, kultureller Hub, zugänglich nicht nur für Studenten sondern auch für die Öffentlichkeit. Auf einer Grundfläche von 88 000 Quadratmetern bietet es verschiedene Einheiten für Studium, Lehre, Forschung, sozialen Austausch, Unterhaltung, Verwaltung und schön gestaltete Außenflächen. Im Vergleich zu traditionellen Lernräumen, wo Gänge und Klassenräume klar getrennt sind, gibt es hier viele verschiedene Möglichkeiten, diesen neuen offenen Raum zu nutzen: er fördert Interaktion die neue Aktivitäten und Ideen auslösen.

Eine moderne Bibliothek
Die Bibliothek mit 500 000 gedruckten Werken beherbergt eine der grössten wissenschaftlichen Sammlungen Europas. In vier verschiedenen Arbeitszonen finden 860 Studierende sowie über 100 Angestellte der EPFL und anderer Betriebe Platz. Die hochmoderne Multimedia-Bibliothek mit ihren modernen Ausleihgeräten  (RFID Radio Frequency ID) und aktuellsten Systemen für die bibliografische Suche bietet Zugriff auf 10 000 Online-Zeitungen und 17 000 E-Books, und ermöglicht den Postgraduate-Forschenden den Zugang zur bedeutenden Archiv- und Forschungssammlung der EPFL. Das Gebäude verfügt ausserdem über Unterrichtsräume, wie zum Beispiel die zehn "Bubbles", die für Seminare, Gruppenarbeiten und Sitzungen geeignet sind, sowie ein Sprach- und Multimediazentrum und die damit verbundenen Verwaltungsbüros.

Der kühnste Aspekt der neuen Bibliothek ist mit Sicherheit das gänzliche Fehlen physischer Grenzen. Der riesige offene Raum wird durch seine künstliche Geografie definiert. So gibt es keine abgeschotteten Lernzellen, sondern stille und ruhige Zonen entlang der Hügel und Täler. Der offene Raum fördert die Solidarität zwischen den Studierenden im Ringen um die besten akademischen Ergebnisse und erlaubt den freien Ideenaustausch zur Festigung der Zusammenarbeit.

Das pädagogische Labor CRAFT
Das CRAFT ist das Zentrum für Forschung und Unterstützung der Ausbildung sowie der damit verbundenen Technologien. Das Labor bietet einen avantgardistischen Ansatz zur Verbesserung von Lerntechniken. Zu den vom CRAFT entwickelten Lerntechnologien gehören u.a. interaktive Möbel, Papier-Computer-Schnittstellen sowie Geräte, die auf Bewegungen der Augen reagieren. Weitere technologische Entwicklungen sind in Planung.

Ein offener Raum
Das Forum Rolex, ein Amphitheater mit einer 310 Quadratmeter grossen Bühne und einer Kapazität von bis zu 600 Personen, bietet Platz für Konferenzen, Vorlesungen, kulturelle Veranstaltungen und andere Grossanlässe. Ein Cybercafé, eine Selbstbedienungs-Cafeteria sowie ein Gastronomie-Restaurant mit atemberaubender Aussicht auf den Genfersee und die Alpen runden das Angebot ab.

Licht und Form – ein intimer öffentlicher Raum
Das Gebäude hat einen streng rechteckigen Grundriss, dennoch wirkt es dank dem wellenförmigen parallelen Verlauf von Dach und Boden leicht und beschwingt. Das Bauwerk berührt den Boden leicht mit kaum sichtbaren Stützen und lässt einen weiten Raum unter sich offen, durch den die Besuchenden von allen Seiten her zum Haupteingang finden.

Hügel anstelle von Wänden
Im Inneren des Gebäudes lassen die durch die Wellenform entstandenen Hügel, Täler und Plateaus die Kanten des Gebäudes unsichtbar werden, und es hat weder physische noch optische Abtrennungen zwischen den einzelnen Bereichen. Sanfte Steigungen und Terrassen ersetzen Stufen und Treppenhäuser, die Besucher flanieren den leichten Biegungen entlang oder benutzen die speziell für das Rolex Learning Center entworfenen "horizontalen Aufzüge", elegante Glaskästen mit der Technik eines normalen Aufzugs. Von den höher gelegenen Zonen können Besuchende nicht nur ihren Blick über den Campus schweifen lassen, sondern ebenso die Aussicht auf den nahen Genfersee und die Alpen geniessen. Neben den verschiedenen Begegnungszonen und dem beeindruckenden Auditorium gibt es ruhige für das individuelle Lernen bestimmte Zonen, währenddessen kleine Gruppen in den verglasten oder mit Wänden abgetrennten "Bubbles" arbeiten oder Sitzungen abhalten können.

Die Verbindung von Innen und Außen
Die Topografie verleiht der offenen Fläche des Gebäudes eine aussergewöhnliche Fluidität, welche durch die 14 Öffnungen unterschiedlicher Grösse noch betont wird. Diese sogenannten „Patios“ sind verglast und bilden eine Reihe sanft gerundeter Innenhöfe und stellen somit eine visuelle Verbindung zwischen innen und außen her.

Ingenieur- und Bauarbeiten
Die Planung und der Bau des Rolex Learning Centers war höchst experimentell und innovative und setzte eine enge Zusammenarbeit von Architekten, Ingenieuren und Baufirmen voraus. Die wichtigsten Baumaterialien sind Stahl, Holz sowie Beton, welcher derart präzise in die Schalungen gegossen wurde, dass die Unterseite des Gebäudes wie poliert wirkt. Der Boden ist aus Beton, das Dach aus Stahl und Holz. Boden und Dach verlaufen parallel zueinander. Für die Dachkonstruktion wurden Stahltrapezprofile mit geringer Profilhöhe und Steifigkeit (Cofrastra von ArcelorMittal) verwendet und die Spannweiten verkürzt um sich der Form anzupassen. Für die Herstellung der Geometrie der Schalen waren 1400 Schalungselemente nötig. Beim Betongiessen musste der Beton über zwei Wochen hinweg kontinuierlich angeliefert werden, um das komplexe Ziel einer nahtlos fliessenden Dachkonstruktion zu erreichen.

Das Gebäude besteht im Wesentlichen aus zwei "Schalen" mit elf Unterspannbogen. Die kleine Schale ruht auf vier zwischen 30 und 40 Meter langen Bogen und die grosse auf sieben zwischen 55 und 90 Meter langen Bogen. Diese Bogen werden von 70 vorgespannten unterirdischen Kabeln gehalten.

Bewegung
Da das Gebäude aus einer einzigen Struktur besteht, müssen alle Elemente, einschliesslich des Dachs, flexibel sein, um selbst winzige Grössenveränderungen aufgrund natürlicher und struktureller Bewegungen aufzufangen. Die Innendecken verfügen über Fugen, um solche Verschiebungen zuzulassen. Die gewölbten Glasfassaden, einschliesslich derer, welche die Innenhöfe umgeben, bilden eine Fläche von 4800 Quadratmetern und müssen den Betonbewegungen ebenfalls Rechnung tragen. Jede Scheibe wurde einzeln zugeschnitten und bewegt sich unabhängig von den anderen in einem gefugten Rahmen.

Energieeffizienz
Das Gebäude des Rolex Learning Center ist höchst energie-effizient. Aufgrund seines geringen Energieverbrauchs hat das Gebäude das begehrte Minergie-Label erhalten. Dieser Standard wird in der Schweiz zur Messung umweltfreundlicher Gebäude angewendet.

Das Gebäude wird grösstenteils vom Tageslicht erhellt und verfügt über sorgfältig gesteuerte natürliche Lüftungssysteme (mit Ausnahme des Restaurants und der Multimediabibliothek, die über Kühldeckensysteme verfügen). Dank hochwertigen Doppelverglasungsfenstern, der 20 Zentimeter dicken Dach- und der bis zu 35 Zentimeter dicken Bodenisolation, Aussenläden, natürlicher Beleuchtung und Belüftung sowie der Nutzung der vor 25 Jahren installierten thermischen Pumpen, die Seewasser für die Kühlung des gesamten Campus nutzen, beträgt der Energieverbrauch nur 38,5 kWh/m2 (139 MJ/m2). Ein solcher Grad an Energieeffizienz konnte durch die bahnbrechende Ingenieurarbeit der Firma Sorane SA erreicht werden, die ihren Sitz in der Nähe des Campus hat und aus Ingenieuren aus Lausanne und Zürich besteht. Mithilfe digitaler Modelle für Luftströmung, Beleuchtung und thermische Messungen konnte dieses Unternehmen die Energieeffizienz des neuen Gebäudes auf ein technisches Maximum steigern und gleichzeitig die Sicherheit der Benutzer im Brandfall gewährleisten.

Text: EPFL & Constructalia

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